SCIENCE FAIR NIEDERÖSTERREICH 2017

Verhaltensforschung: Nestbau beim Kolkraben

Im Laufe des Schuljahres 2016/17 entwickelten mehrere Oberstufenklassen einiger Schulen Niederösterreichs, unterstützt durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, eigene Forschungsprojekte im Rahmen des Unterrichts und präsentierten sie im Rahmen einer Science Fair – einem schulischen Wettbewerb, bei dem Schüler/innen im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung ihre Projekte vorstellen können. In Niederösterreich findet diese Veranstaltung jährlich Ende Mai im Schloss Grafenegg statt. Die Organisation und Leitung des Programmes wird vom Science Pool übernommen.

Das Gymnasium Bad Vöslau nahm im Schuljahr 2016/17 erstmals mit einer Klasse (6B) teil. Als wissenschaftliche Einrichtung stand der Klasse die Forschungsstation Gutshof Haidlhof, nahe Bad Vöslau, zur Verfügung. Im Jahre 2010 wurde die Forschungsstation als Kooperationsprojekt der Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien gegründet. Erforscht wird die Kognition von Vögeln und Nutztieren, wobei sich das konkrete Projekt der Schüler/innen der 6B auf das Nestbauverhalten bei Kolkraben bezog.

Am 21. März 2017 besuchte Prof. Dr. Thomas Bungyar von der Universität Wien die Klasse, um einen Vortrag über seine Arbeit als Ethologe zu halten. Der Vortrag gab einen interessanten Einblick in die Forschungsdisziplinen der Ethologie, insbesondere in die kognitive Verhaltensforschung. Im zweiten Teil des Vortrages wurde den Schüler/innen die Forschungsanlage Haidlhof vorgestellt.

Am 28. März 2018 wurde den Schüler/inne/n von der zuständigen Betreuerin Lisa-Claire Vanhooland   in einem 3stündigen Workshop die Vorgehensweise beim Analysieren der Videoaufnahmen und die anschließende Auswertung (Eintragen in die Excel-Datei) erklärt. Pro Schüler/in kam auf diesem Wege Videomaterial von insgesamt ca. 6 Tagen zusammen, die im Zeitraum März und April 2017 analysiert wurden.

Es wurden insgesamt sechs Brutpaare unter kontrollierten Bedingungen beobachtet und dabei (1) das angeschaffte Material, (2) welches Tier es angeschafft hat und (3) wie es eingesetzt wurde, sowie (4) die sozialen Verhaltensweisen neben dem Nestbau protokolliert. Nach der Analyse wurden die Daten statistisch ausgewertet und wiederum in einem 3stündigen Workshop für eine Präsentation aufbereitet.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Nestbau einem geordneten Prinzip folg: zuerst werden größere Äste für das Grundgerüst angeschafft. Es folgen kleine Ästchen zur Verstärkung, gleichzeitig wird dazu oft Polsterungsmaterial hinzugefügt. Meist sind die weiblichen Individuen für die Anschaffung der Materialien zuständig, währen die männlichen Individuen den Einbau der Materialien übernehmen. Beim Auspolstern übernehmen die Weibchen den Hauptteil der Arbeit. Das Sozialverhalten ist sehr individuell vom Brutpaar abhängig. Die im Vorfeld erstellen Hypothesen (z. B. dass Männchen für die Anschaffung der Materialien zuständig sind) wurden nicht bestätigt. Die Hypothese, dass die erfahrenen Brutpaare beim Nestbau schneller sind, konnte nicht wiederlegt werden. Erste Tendenzen deuten darauf hin, dass es sich bei Rabenvögeln um Individuen mit eigenen Persönlichkeiten handelt.

Am 30. Mai 2017 wurde das Projekt im Rahmen der Science Fair Niederösterreich 2017 in Grafenegg präsentiert, wobei den vier Vortragenden (Katharina Fink, Emily Vogelsinger, Raphael Pavlovic, Philip Dopke) eine ganz besonders große Anerkennung ihrer Leistung gebührt! Ein großes Dankeschön auch an unsere Betreuerin Lisa-Claire Vanhooland und  dem Haidlhof, die uns das Videomaterial zur Verfügung gestellt haben!

 

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